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„EXZESSE DER GEWALT“ finden hier nicht statt! Aber, da ich nun schon einmal Eure hohe Aufmerksamkeit habe ... lasst mich doch von der Männerfreizeit im Juli 2006 berichten ... vielleicht genügt das ja Euren zweifellos hohen Ansprüchen – wenn nicht, nun, vielleicht lassen sich wenigstens niedere Instinkte ansprechen und das völlig ohne Gebühren und hohe Telefonkosten! Reitzenstein und seine Umgebung habe ich bereits in dem Artikel zur Männerfreizeit 2005 teilweise geschildert – und es hatte sich dort seitdem nichts wesentliches verändert: Irgendwo zwischen Nachkriegsdeutschland und Karl Mays Dark And Bloody Grounds (Siehe Bilder Dark And Bloody Grounds und Panorama) einzustufen, liegt Reitzenstein auch heute noch, wie seit ... na ja, auf jeden Fall seit einer sehr langen Zeit, fernab der Zivilisation! Sehr zu empfehlen also für Leute, die vom Bootcamp über den Privatknast bis hin zu dieser neuen Institution in Guantanamo Bay und Eli Roths, ähm, Tourismusfilm „Hostel“, schon einiges gesehen haben! Hier wäre nicht einmal der inzwischen dahingemeuchelte Braunbär JJ1 vorbeigekommen ... Reitzenstein klagt ein traurig Lied Der Tourist kommt Der Braunbär flieht Und über allem hängt ein fahler Mond Schön, wenn man woanders wohnt! Allerdings hatte erst wenige Wochen zuvor meine Heimatstadt Nürnberg City die wohl größte Invasion erlebt, seitdem die Amis vor über 60 Jahren einmarschiert waren: Zu Gast bei Freunden, war das Motto einer internationalen Veranstaltung namens Fußball-Weltmeisterschaft und so kamen aus den Ecken und Enden dieser Erde alle, die es sich leisten konnten und sich auch nicht von Bären oder Bayern oder teuren Eintrittspreisen abhalten ließen, zusammen mit einer Armee an Staatsdienern in martialischem Gewand zum Schutze, mutige Ritter der Neuzeit in Grünweiß, nur die Panzer und die Hubschrauber haben noch gefehlt! Obwohl der Krach und der Lärm eine Invasion des Ivan vermuten ließ, fühlte man sich in Nürnberg plötzlich so sicher wie wohl noch niemals zuvor! Allerdings war auch das Gedränge so schlimm wie noch niemals zuvor und am Montag vor der Freizeit war auch noch einer meiner liebsten Krimiautoren, Mickey Spillane, im Alter von 88 Jahren verstorben. Meine Stimmung war also recht gedrückt und so war das ruhige Fleckchen Reitzenstein plötzlich ein willkommener Ort der Erholung! „SEX! AUTOS! ESSEN! GELD! ALKOHOL! FRAUEN!“ Gut! Ausgezeichnet! Die niederen Instinkte funktionieren noch! Rühren! Ich wollte es ja mit Patriotische Pflichterfüllung und Dienst am Vaterland versuchen, aber ich dachte mir, das bekommt man in Bayern / Mittelfranken ständig zu hören, ist also nichts Neues mehr ... Vor der Abfahrt erteilte uns unser Prediger Stefan noch seinen letzten Segen ... oder wie auch immer man das nennt (Siehe Bild Vor der Abfahrt), dann ging’s los. Herz, Verstand & Seele Die meisten von uns City Slickers hatten einen modernen, zivilisierten Weg gewählt und waren auf motorisierte Weise nach Reitzenstein gelangt, nur einer, einer der letzten harten Männer, wollte die Strecke Fürth – Reitzenstein unbedingt bewältigen mit dem – Fahrrad oder auch Drahtesel, neudeutsch auch Bike genannt! Bitte Applaus für Eckhard Schmitz! Nach etwa zwölf Stunden und angeblich 160 Kilometer Fahrt und mit einem ganzen Fliegenfriedhof zwischen den Zähnen kam Big E Schmitz am frühen Abend endlich an (Siehe Bilder Geschafft und Ich bin da!)! Nehmt Euch alle ein Beispiel daran, Ihr Ladies! Wenn so viele Familienväter und Ehemänner, knapp über ein Dutzend, abseits ihrer gewohnten Hölle (Frau, Kinder, Schwiegermutter), fernab der unseligen Zivilisation versammelt, also wieder zurück in ihrer natürlichen Umgebung zwischen Bären, Indianern und der rauen Natur sind, führt dies bei den Betroffenen leider schnell zu Niedergeschlagenheit und Depressionen: sie sollten zufrieden sein, sind es aber nicht! Im vergangenen Jahr hatte ich mit einem dieser Zivilisationsflüchtlinge das Riesenzimmer im oberen Stockwerk geteilt, diesmal jedoch waren es bereits zwei, die meine Geduld strapazierten, was dem ganzen Aufenthalt dann doch irgendwie die Exklusivität nahm – die Weinkarte, bitte! Und den beiden beim Schlafen zuzuhören, hatte etwas von psychologischer Kriegführung und hätte besser in die Anlage auf Guantanamo Bay gepasst, als in dieses Freizeitheim. Während sich die beiden in Morpheus’ Armen befanden, hatte ich das Gefühl, als hätte ich mich in die dunkle Behausung von Bruno, dem Bären und seinem Sprössling verirrt, die am Ende einer tiefen Höhle lagen, während ihr Schnarchen von den hohen Felswänden verstärkt zurückgeworfen wird ... Irgendwo zwischen Gewaltphantasien und meinem chronischen Mangel an Toleranz dämmerte ich dahin ... hätte ich doch nur eine Einschlafhilfe mitgenommen – aber mein Jeanette-Plakat hing daheim im Wohnzimmer! Hey, ich bin 36, nicht tot! Und so alt wie jene, mit denen ich dieses Wochenende verbrachte, kann ich ohnehin nicht werden! Disziplin & Gehorsam Natürlich stand auch diesmal wieder am Samstag eine Wanderung auf dem Programm, zu der wir uns von unserem selbsternannten Master Chief Wolfgang P. (Judge P. – nicht nur für seine Kinder!) genötigt sahen (Wo ist ein UN-Tribunal, wenn man es braucht?!), denn es genügt natürlich nicht, im Sommermonat Juli eine solche Freizeit in brütend-dumpfer Hitze zu veranstalten, was selbst das Nichtstun zu einer schweißtreibenden Angelegenheit werden lässt, sondern man muss dazu auch noch richtig aktiv werden! Man hat’s eben nicht leicht als Mischung aus Chairman und Exekutivbeauftragten. Und so schickte sich unser Master Chief an zu regieren, dirigieren, ere ... okay! Und wer widersprach, wurde umgehend zur Schnecke gemacht (Siehe Bild So klein ohne Hut)! Hat da einer „Die letzte Festung“ gesehen?! Nur die Einheitskluft hätte uns noch gefehlt, orangefarbener Drillich, Modell Todeszelle oder etwas vergleichbares ... Die Augen links, ausrichten! (Siehe Bild Habt Acht) Hm, vielleicht hätten wir unsere Teilnehmer noch einteilen sollen: Staffel Alpha, Staffel Bravo – jawoll! Und so machten wir uns gezwungenermaßen auf, wie einst viele Jahrhunderte zuvor JC and the Gang ... Ich hatte mir ja einen Dudelsackspieler gewünscht, der uns voranschreitet, ein bisschen D-Day-Atmosphäre eben, aber auf mich hört ja niemand ... Überhaupt hatte das Ganze Wochenende einen leicht paramilitärischen Touch („Aaaachtung ...“), obwohl uns diesmal unser Weg nicht zu Grenzanlagen samt (leider) ausrangierter Militärhubschrauber und Panzer geführt hatte, die hatten wir ja schon im letzten Jahr gesehen. Der „Sex And The City“- und „GZSZ“-Chic der Männerfreizeit 2005 schien passé, Bermudashorts über nackten Füssen in dampfenden Sandalen bestimmten unser leidliches Erscheinungsbild. Auch wir sind Deutschland und so kämpften wir uns, vom äußeren Eindruck her einzuordnen irgendwo zwischen Flüchtlingsstrom und römischer Legion, auf schmalen, ausgetretenen Pfaden steil aufwärts durch dichten Wald, vorüber an hohen Felsblöcken und steilen Abhängen, vorbei an mysteriösen Behausungen (Siehe Bilder Raum ist in der kleinsten Hütte und Sweet Home) sowie zwischen undurchdringlichem Gestrüpp hindurch, in dessen Tiefen irgendwelche blutgierigen Viecher und Parasiten lauern ... stets auch auf der Lauer nach dem Bären (Siehe Bild Wo ist der Bär) und über allem strahlte ein weißblauer Himmel! Omaha Beach, Schweinebucht, Reitzenstein! Zivilisation ist woanders! Glaubt mir: Auf so etwas bereitet einen keine einzige Folge von „Sex And The City“ vor! Warum können die Amis in dieser trostlosen Umgebung nicht ein paar Atombombentests steigen lassen oder zumindest alles bombardieren und platt walzen?! Obwohl sich aus dieser Gegend auch ein wunderbarer Golfplatz aus dem Boden stampfen ließe ... ein Schießstand wäre auch klasse! Außerdem musste ich einmal mehr die Erfahrung machen, dass es, auch im Zeitalter der digitalen Photographie noch immer zu viele Leute gibt, die zu wenig von Photographie verstehen! (Siehe Bilder Der Autor 1 und Der Autor 2) Nachdem wir uns bei etwa fünf Kilometern (gefühlten 5000!) Fußdrill (Nur Leute, die ihre Cornflakes mit Reißnägeln statt mit Milch essen, würden es als Spaziergang oder Wanderung bezeichnen!) den Wolf geschwitzt hatten, kehrte unsere Legion der Verdammten ein in einer, neben einem alten Bergwerk gelegenen Raststätte. Die Sonne brannte gnadenlos herab, von irgendwoher strömte der Geruch von Eau de Verwesung et Fäkalie, absolut trendy in diesem Sommer und ich hatte das Gefühl, als würden sich in jedem meiner Schuhe mindestens drei Liter Blut befinden! Ich war dankbar für das kleine Probefläschchen von Hugo Boss, das ich bei mir hatte, ein Hauch von Zivilisation in dieser sonnenverbrannten Einöde. Ein Gefühl der Dankbarkeit und des Glücks durchströmte mich, als wir endlich den geordneten Rückzug antraten, aber auch dieser verlief durch Mutter Natur, vorbei an einem schmalen Flüsschen und hölzernen Brücken, an denen sich einige unserer mutigen Westmänner den Herausforderungen der Natur stellten – es waren ja keine nörgelnden Ehefrauen dabei, um sie davon abzuhalten und auch keine Gören, denen sie ein gutes Beispiel geben mussten und so durfte diese Schar Geschundener all das tun, was sie ihren Kindern sonst verbieten würden! Mutig wurden Brücken erobert (Siehe Bilder Zwischen Arnheim und Kwai / Zwischen Remagen und Reitzenstein und Die Brücke von Reitzenstein) und Flüsse überquert. (Siehe Bilder Wolfgang & Wolfgang / Wolfgang Puff / Im Alleingang / Wo geht’s zurück und Flachköpper macht Laune). Einige ließen es allerdings trotz allem ruhig angehen (Siehe Bilder Rast und Anstrengung schaut anders aus!). Es war früher so cool, wenn sich das Feuer durch die Landkarte fraß und dahinter hoch zu Ross die Cartwrights erschienen ... davon ist ein Haufen Grobmotoriker leider allzu weit entfernt! Die Hitze und Anstrengung waren zu ertragen, aber die mitleidigen Blicke einiger Mädels, die uns entgegenkamen waren wesentlich schlimmer ..., nun, ja, vielleicht hat ja doch die eine oder andere dieser Damen gelächelt ... Verpflegung & Entertainment Am frühen Nachmittag gelangten wir wieder im Freizeitheim an. Einige verzogen sich auf ihre Zimmer, andere gingen zum Baden an ein nahegelegenes Gewässer, wodurch es im ganzen Haus angenehm ruhig war. Die Temperaturen ließen keine rechte Freude aufkommen, lediglich im Keller des Hauses war es etwas kühler. Trotz der noblen Einrichtung dieser Hütte, vermisste ich doch irgendwie eine Badewanne! Zum lesen war ich auch kaum gekommen, in diesem Jahr war ich es, der einen Roman von Tom Clancy, „Im Sturm (Red Storm Rising)“, dabeihatte. Ich musste feststellen, dass die Emanzipation unter den Männern noch stark zu wünschen übrig lässt, als ich vorschlug, doch einen Fernseher (Am Männerwochenende – shocking!) zu organisieren, um am Abend gemeinschaftlich den Klassiker „Harry & Sally“ in der ARD anzusehen. Grundsätzlich ließ sich an der bisherigen Verpflegung dieses Wochenendes nichts aussetzen – aber Saure Zipfel sind für eine solch kurze Freizeit kaum geeignet, es kommt beim Essen einfach keine gute Stimmung auf, dafür unpassende Assoziationen. Schinkennudeln, das wär’s gewesen, aber mich fragte ja keiner! Auch das Lagerfeuer fiel an diesem Wochenende deutlich bescheidener aus als im Jahr zuvor (Siehe Bilder Keine Hitz ... und Ohne Schmitz), lag vielleicht daran, dass es keine Musik gab. Worum sich unser erfahrener Prediger im letzten Jahr doch alles gekümmert hat: Musik, das Geschehen dokumentierende Photos, gute Laune! Man weiss eben immer, was man hatte, aber nie, was man bekommen wird! Die Gesprächsthemen (Siehe Bilder Small Talk und Darkness Falls) reichten von versicherungstechnischen Hintergründen bis benutzten Damenslips aus Japan, von überschätzten Einkommensverhältnissen bis altgedienten Actionstars, Pfusch am Bau und richtige Erziehung (Manche Eltern sind ja so peinlich für ihre Kinder!) und zerstörten Träumen. Ich hatte entschlossen, wenigstens in der darauffolgenden Nacht zu etwas Schlaf zu kommen und so köpfte ich zusammen mit anderen einige Flaschen Rotwein, so dass ich zur frühen Morgenstunde doch etwas mitgenommen ins Bett fiel. Der Sonntag bot nicht wirklich etwas Neues: Die Vertretung unseres Predigers Stefan Thieme erzählte von der Zeit, die er mit seinen missionarischen Eltern in Thailand verbracht hatte, bevor er zurück nach Deutschland kam. An dieser Stelle eine Minute der Stille in Ergriffenheit und Mitgefühl, … danke! Anders formuliert: Die Flucht aus der Zivilisation lässt sich auch übertreiben! Aber ich bin eben auch mit Leib und Seele ein Stadtbewohner der westlichen Zivilisation! Aber dann ging’s wieder ums Essen. An dieser Stelle lobende Worte (mit denen ich sehr sparsam umgehe) für unseren fähigen Maitre d’Pizza Simon Fehr, der wieder einmal deutlich den Unterschied demonstrierte zwischen einer ganz und gar selbst gemachten Pizza (Ja, auch der Teig!) und dem, was im Supermarkt in der Tiefkühltruhe alles von zweifelhafter Herkunft angeboten wird. Bedauerlich, dass diese Freizeit und somit diese Pizza nur einmal im Jahr angeboten wird ... Wer ist dafür, dass Simon diese Pizza zu jedem Männerabend anbietet? Danke. Stimmen dagegen? Keine, war auch nicht anders zu erwarten ... So toll auch dieses Freizeitheim samt der dortigen Umgebung sein mag, aber man sollte es wirklich nicht während der heißen Monate des Jahres aufsuchen, in denen der Aufenthalt rasch zur Qual wird, sondern eher gegen Herbst. Und im Winter dürfte es dort wahrscheinlich richtig gemütlich sein! Kurz vor der Abfahrt Richtung Heimat erfuhr ich, dass ich diese Rückfahrt in einem anderen Fahrzeug antreten musste – am Steuer Günther Schmitz (Gas, Wasser, Sch ... you know!)! Hatte ich Grund zur Beunruhigung? Aber natürlich hatte ich den! Und diese Beunruhigung wuchs, als sich Günther in den Fahrersitz, schon mehr eine geformte Kuhle, fläzte. Schon erschien vor meinem geistigen Auge ein heller Tunnel und ich dachte an all das, was ich noch vorgehabt hatte im Leben! Dann fuhren wir los: Günther, unser COC (Chief Of The Car) in Macherpose hinter’m Steuer, mit Armen, so lang, dass er das Lenkrad noch vom Rücksitz aus erreichen hätte können und mit einer Mimik und Gestik, irgendwo zwischen „Weg, jetzt komm’ ich!“ und „Wo ich bin, ist Deutschland!“. Und dass ein Fahrzeug zwei Spuren auf einmal braucht – normal! Es erinnerte mich irgendwie an den Vorspann von „Die Sopranos“ mit James Gandolfini! Viele Autofahrer, ja, auch aus der Christlichen Gemeinde in Fürth, heizen ihren Kübel mit ruckartigen Bewegungen durch den Verkehr, als würden sie Luft-Boden-Raketen ausweichen, dabei jedes Schlagloch mitnehmend, wobei mir recht schnell der Magen dort hängt, wo zuvor noch der Kehlkopf war! Aber, oh Wunder, Günther steuerte sein Fahrzeug, Marke Arbeitgeberkarosse, bei dem nur noch die beiden Fähnchen (Deutschlandfahne auf der einen, Bayernfahne auf der anderen Seite) gefehlt haben, souverän durch den Verkehr, fließend, fast sanft, glitten wir dahin und ich kam endlich zu meinem verdienten Schlaf! Ich wiederhole: Nehmt Euch alle ein Beispiel daran, Ihr Ladies! Diese während unseres Aufenthalts bewährte Mischung aus Wehrsportgruppe und Miliz könnten wir allerdings beibehalten ... vielleicht sollte ich nicht mehr drei Romane von Tom Clancy hintereinander lesen ... Bravo Leader – Ende!
© by Armin T.H. Träger September 2006 TraegersCorner@gmx.de
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